Die Hirmensul
Bild der Hirmensul

Hinweis zu der Bilderschau

Im Jahre 1983 erschien im Grabert-Verlag-Tübingen der Band IX, der herausgegeben wurde von Wigbert Grabert als Veröffentlichungen aus Hochschule, Wissenschaft und Forschung über das Buch des Schriftstellers Otto Hantl:

                    „Der Urglaube Europas“ mit dem Zusatz „Die Edda als Schlüssel zur Steinzeit“.

Auf dem Schutzumschlag wird der Hinweis auf den Sachgehalt des Buches wortgetreu umrissen.

 

Otto Hantl

DER URGLAUBE ALTEUROPAS

Die Edda als Schlüssel zur Steinzeit

“Jüngere Spatenforschung und neue Methoden der Altersbestimmung haben in letzter Zeit für manche kulturelle Errungenschaften nachgewiesen, daß diese in Mitteleuropa früher als im Orient oder in den Mittelmeerländern vorhanden waren. Das „ex oriente lux“, die Ansicht, daß der kulturelle Fortschritt aus dem Osten kam, ist nicht mehr zu halten; eine Umkehrung scheint sich auf Grund der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse anzubahnen.

Die wenigen aus der mitteleuropäischen Vorgeschichte erhaltenen Quellen und Denkmäler vermögen noch eindringlicher und reicher zu sprechen, wenn sie im Zusammenhang mit überlieferten Mythen und Sagen, Märchen und Gebräuchen betrachtet werden. Wie Heinrich Schliemann einst Homers Ilias wörtlich nahm und danach Troja entdeckte, so hat der Verfasser die Edda als Schlüssel zum Urglauben Alteuropas und zu dessen Heiligtümern benutzt. Er hat in langjähriger Forschung an den Externsteinen im Teutoburger Wald aufsehenerregende Entdeckungen alter religiöser Felsbilder und Großskulpturen gemacht, für die er eine zusammenhängende Deutung vorlegt. Aus allem ergibt sich ein umfassendes Gesamtbild der Glaubenswelt unserer steinzeitlichen Vorfahren, deren Erinnerung nun bis weit in die Eiszeit zurückverfolgt werden kann. Uralte Erinnerungen der Edda an die Vereisung Norddeutschlands werden enträtselt und räumlich eingeordnet. Die im Fachwerksbau wie in den alten Volksmärchen bis heute erhaltenen steinzeitlichen Vorstellungen können nun entschlüsselt werden. An zahl-reichen Beispielen führt der Verfasser in diese „Kunst“ ein.

An nordischen Runensteinen, vorderasiatischen Rollsiegeln und anderen Funden aus der Antike wie dem berühmten Diskos von Phaistos läßt sich der Einfluß des mitteleuropäischen Urglaubens und seines zentralen Heiligtums an den Externsteinen bis in fremde Kontinente nachweisen. Auch die bereits von verschiedenen Seiten im letzten Jahrzehnt belegte Wanderung vorgeschichtlicher Europäer nach Südamerika wird bestätigt, indem an vorkolumbianischen Bildwerken und Kunstgegenständen die Zeichen und Symbole des nordischen Urglaubens gefunden und gedeutet werden.

In kühner intuitiver Schau wird so ein Gesamtbild des die ganze Welt befruchtenden alteuropäischen Urglaubens gezeichnet, das auch die Wissenschaft zu weiterer Forschung anregen kann. Die lange Zeit unbewertete und teilweise verdrängte geistige Vorgeschichte des mittleren und nördlichen Europa wird hier aus der Versenkung gehoben und gebührend bewertet. Ein neues Kapitel der Erforschung des menschlichen Geistes in der Vorzeit ist damit aufgeschlagen worden. Die vielfältigen Beweise für die Höhe mitteleuropäischer Religiosität und Gesittung können daneben einen wertvollen Beitrag zur Rückgewinnung der europäischen Identität bilden und zur Bewältigung der gegenwärtigen geistigen Krise des Abendlandes beitragen.”

GRABERT – VERLAG - TÜBINGEN

In dem Buch von Otto Hantl ist die Ymirsul, Mimirsul oder Heimdallsul als „Petrus der Fels“ bezeichnet. Er benennt damit den frei stehenden und nur am Fußende verbundenen Felsen, der wie ein schräg stehender Phallus eine Ersteigung und die Einnahme des im Kopf befindlichen Raumes durch mehrere Krieger unmöglich erscheinen läßt.

Im Kopf dieses Felsens wurde ein Raum ausgebildet, vor dem  unter einem Rundbogen ein Altar aus dem Fels geschlagen wurde, auf dem die Hirmensul  (oder Irminsul) gestanden haben könnte, bevor sie von Karl dem Großen im Alleingang geraubt oder zerstört wurde. Über diesem Altar ist mit 48 Grad nach Südsüdwest ein kreisrundes Loch ausgebildet worden, dessen äußerer Bereich auf der Nordostseite zuletzt in der Jungsteinzeit nachbearbeitete wurde. Diese Bearbeitung diente dazu, den ersten Strahl der aufgehenden Sonne am 21. Juni eines Jahres einzufangen und zu bemessen.

In der vierten, überarbeiteten und ergänzten Auflage des von Herrn Professor Dr. Rudolf Schützeichel im Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1989 herausgegebenen Althochdeutschen Wörterbuches finden sich nur zwei Worte, die mit einer „Irminsul“ in Verbindung stehen. Das stark männliche Wort „Irmindeot“ steht für die Menschen oder das Volk und „Irmingot“ bezeichnet Gott. Das dritte Wort, das in dem Wörterbuch zu finden ist, setzt sich zusammen aus der „Sul “, also einer „Säule“ und „hirmen“ , was mit „ruhen“ zu übersetzen ist. Infolge dessen ist die „Hirmensul“ als eine „Ruhende Säule“ anzusehen, von dessen fest stehendem Punkt aus man die aufgehende Sonne am 21. Juni genau vermessen kann.